Libens Blog...Meine Erkenntnisse über Gott und die Welt.

07.05.2019

Das Ich und das Selbst und die Psychose

nach Johan Cullberg: Therapie der Psychosen. Ein interdisziplinärer Ansatz. 1. Auflage. Bonn 2008. Seite 53 und 54

Objekt
innere Repräsentanz wichtiger Menschen in der Umgebung
Subjekt
steht für das Individuum selbst
Bewusstsein
Kontinuum, in dem ein klarer Denkprozess neben diffusen, oft widersprüchlichen Ideen und Gefühlen existieren kann.
Das Selbst
Die bewussten und unbewussten Erfahrungen einer Person. Besteht aus bewussten und unbewussten Repräsentanzen von Objekten und aus Objektbeziehungen und enthält ein Referenzsystem aus Lebenserfahrungen und Repräsentanzen der wichtigsten Nahbeziehungen und bindet die genetisch-biologische Konstitution ein. Enthält auch eine Repräsentation der Eigenschaften des Subjektes. Das sind vor allem die Selbstkonzepte. Ist die Grundlage dafür, wie das Individuum mit dem Leben umgeht, kombiniert mit den bewussten und unbewussten Prozessen, die in ihm ablaufen.
Das Ich
Organisationsprinzip des "psychischen Apparats", das das Selbst mit den Anforderungen der Umwelt und den somatischen Impulsen vermittelt und integriert. Sorgt dafür, dass die Erfahrung des Selbst über Kontinuität und Konsistenz verfügt. Handelt sich um ein theoretische Konstrukt, das nicht durch Erfahrung beglaubigt werden kann.
Internalisierung
Frühe Installierung von Repräsentanzen wichtiger Objekte in der unmittelbaren Umgebung.
Akute Psychose
Zustand, in dem die Fähigkeit des Ichs zusammengebrochen ist, die Erfahrung von Kontinuität und Konsistenz des Selbst aufrechtzuerhalten. Das Subjekt reagiert auf den Zusammenbruch (Diskontinuität) in der Erfahrung des Selbst mit akuter Panik und versucht die neue, unbegreifliche Situation mittels einer Reinterpretation der Außenwelt zu bewältigen, um von neuem Kohärenz herzustellen. Der Versuch der Überbrückung und Reparatur findet mithilfe unbewusster regressiver Ideen statt, die den Charakter eines Wahns und damit oftmals bedrohliche Züge annehmen. Im Selbst wird dadurch jedoch eine "Übergangskontinuität" hergestellt. Zu den Kosten der neuen Konsistenz gehört allerdings der Zusammenbruch der Fähigkeit, ein realistisches Verhältnis zur Umwelt herzustellen. Die Definition der Psychose entspricht einer Störung der Differenzierung von Selbst und Objekt.
Lang andauernde Psychose
Die fantasierten Konzeptionen sind bereits "organisierter" geworden. Die betreffende Person hat sich den bedrohlichen Inhalten des Wahns angepasst und lebt auf Dauer in einer Notsituation. Die integrative Funktion des Ichs wurde zugunsten der Innenwelt aufgegeben, die Umwelt wird durch den Filter der Innenwelt betrachtet. Der Widerspruch zwischen dem Primärprozess-Denken und dem Realitätsprinzip wird kleiner, was sich in einer lang andauernden psychischen Erkrankung manifestiert.

Sehr schön und verständlich erklärt finde ich die Darstellung der Psychischen Geburt von Dipl.-Psych. Bernhard Broekman, insbesondere den Abschnitt über Objektkonstanz. Der Link zu dem Artikel ist hier: Thema: Psychische Geburt. Objektkonstanz ist nicht nur ein stabiles Gefühl der eigenen Grenzen, und dass abwesende Menschen weiterhin im Selbst repräsentiert sind, sondern auch die Gesamtrepräsentanz der guten und schlechten Eigenschaften der Objekte. Man kann sowohl "gute" als auch "böse" Seiten der Menschen nebeneinander sehen.

Meine Beschäftigung mit diesem Thema und der Bibel begreife ich auch als einen Versuch der Reparatur meines Selbst, da ich seit 1989 mehrfach psychotische Schübe erlebt habe. Ich habe die Diagnose schizoaffektive Psychose. Seit meinem Suizidversuch in 1993 habe ich zwar keine akuten psychotischen Episoden mehr erleben müssen, aber präpsychotisch, also in einem Vorstadium zur Psychose, war ich noch öfter. Nur meine engmaschige ärztliche Begleitung und meine ständige diesbezügliche Aufmerksamkeit und das "Experte"-Werden für mich und meine Krankheit, sowie natürlich auch eine medikamentöse Prophylaxe konnte verhindern, dass ich wieder akut psychotisch wurde. Ich war allerdings noch lange berufstätig. Seit 2007 erhalte ich eine volle Erwerbsminderungsrente.

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